HonorarKuerzung 2026

Der Erweiterte Bewertungsausschuss – das Gremium zur Festlegung der Vergütung von gesetzlichen Krankenkassenleistungen – hat auf seiner Sitzung vom 11.03.2026 gegen die Stimmen der Ärzte- und Psychotherapeutenschaft die pauschale Honorarkürzung aller psychotherapeutischen Leistungen um 4,5 % beschlossen. Diese trat am 01.04.2026 in Kraft. In Tarifrunden werden aufgrund Inflation etc. bereits ausbleibende Erhöhungen als Kürzungen eingeordnet, bei der Psychotherapie ist die Kürzung nominal, d. h. die Therapeut*innen erhalten tatsächlich weniger Geld pro Stunde. Die Kürzung untergräbt die Wirtschaftlichkeit ambulanter Praxen, die die Hauptlast der psychotherapeutischen Versorgung tragen und deren Inhaber*innen die schon zuvor am schlechtesten bezahlte Facharztgruppe bilden.

 

Aktuelle politische Entwicklungen deuten leider darauf hin, dass die verabschiedeten Honorarkürzungen nur der erste Schritt sind. Im Zuge der aktuell geplanten Gesundheitsreform soll neben weiteren Kürzungen von Zuschlägen die Psychotherapie tatsächlich budgetiert werden, was de facto die konkrete Verringerung von Therapieplätzen für gesetzlich Versicherte bedeutet. 

 

Diese Entscheidungen und Pläne führen zu kurzfristigen Ersparnissen im gesetzlichen Krankenkassensystem, bei massiv ansteigenden langfristigen Folgekosten. Studien zeigen, dass jeder in ambulante Psychotherapie investierte 1€ letztlich 4€ Folgekosten spart. Insofern ist es nicht einmal ökonomisch sinnvoll, an Psychotherapie zu sparen.

  

All diese Neuerungen offenbaren eine Geringschätzung von Gesundheit, das Leben psychisch Erkrankter wird als "Lifesytle-Psychotherapie" und Luxus entwertet. Der Bedarf an Psychotherapie steigt Jahr für Jahr, die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind ohnehin schon viel zu hoch. Sie als Betroffene wissen dies leider nur zu gut. Die verabschiedete Kürzung spitzt entsprechende Probleme bereits zu, da Praxen sich wirtschaftlich anders ausrichten müssen (z. B. Fokus auf Privatversicherte) oder von Schließung bedroht sein werden. Wenn die Pläne der Gesundheitsreform über die Kürzungen hinaus realisiert werden, dann sieht wirklich düster für die ambulante Psychotherapie in Deutschland aus.

 

Wir als Berufsstand tun alles, um diese Verschlechterung der gesetzlichen Versorgung rückgängig zu machen und weitere Einschnitte abzuwehren. Aber wir brauchen Unterstützung. Bitte unterschreiben Sie die Bundestagspetition, damit wir diese Form der Politik möglicherweise noch stoppen können: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2026/_03/_22/Petition_196912.html

 

weitere Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten finden Sie hier: 

Dipl.-Psych. Francesca Fric

Psychologische Psychotherapeutin

Psychotherapeutische Praxis

Hohenstaufenring 57a

50674 Köln

 

Tel. 0221 64 304 985